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City News

Rückkehr eines echten Oldtimers

16 März 2009

In Leipzig konnte ein Obus der ersten Serie des früheren Obusbetriebs von Verkehrsfreunden geborgen und teilweise restauriert werden. Mit Baujahr 1938 handelt es sich um den ältesten in Deutschland erhaltenen Obus.
Der Obus Nr. 104 verrichtete von 1938 bis 1967 – zum Schluss kurzzeitig noch unter der Nr. 304 – seinen Liniendienst im Leipziger Obusnetz, häufig mit einem Personen-Anhänger gekuppelt.
Die fünf Büssing-Obusse “seiner” Serie Nr. 101-105 kamen mit der Aufnahme des Betriebs in 1938 auf der Linie A zwischen Kronprinz-/ Bayrischer Straße und Kleinzschocher/Adler (Wendeschleife Windorfer/Klarastraße) zum Einsatz. (Kronprinzstraße heute Kurt-Eisner-Straße, Bayrische Straße heute A.-Hoffmann-Straße). Letztes Einsatzgebiet war die Überlandlinie C nach Zwenkau.

Nach seiner Ausmusterung am 19.08.1967 wurde der Wagen über den VEB Maschinenhandel Halle an Privat verkauft. Der Käufer nutzte ihn fortan als Wochenendbehausung in seinem Grundstück in der Dübener Heide (Waldsiedlung Wellaune). Zur längerfristigen Erhaltung hatte er ihn vollständig eingehaust und noch mit einem Anbau versehen. Im Zusammenhang mit dem Pächterwechsel des Waldgrundstücks konnte der Verein und Betreiber des „Historischen Straßenbahnhofes Leipzig-Möckern“ dieses historisch wertvolle Unikat im Jahr 2003 erwerben. Über mehrere Monate waren ehrenamtliche Arbeitseinsätze nötig, um die Einhausung, An- und Einbauten zu beseitigen. Mit viel technischem Geschick und Erfindungsreichtum gelang es den Spezialisten des Vereins, den Obus in einen rollfähigen Zustand zu bringen, damit er über die engen Wege der Waldsiedlung herausbugsiert werden konnte. Auf einem LKW-Abschleppwagen mit Rampe wurde er schließlich am 12. Mai 2004 in den Historischen Straßenbahnhof Leipzig-Möckern überführt.

Am 02. Juni 2006 verließ der Obus Leipzig per Tieflader in Richtung Harz. Im Rahmen einer Arbeitsförderungsmaßnahme bei der Vereinigung Brücke e.V. in Blankenburg wurde die Karosse einer Grundinstandsetzung unterzogen und kehrte am 25. Juni 2008 nach Leipzig zurück. Der gesamte Stahlaufbau wurde sandgestrahlt und nahezu neu wiederhergestellt. Korrektur- und Richtarbeiten sind noch notwendig sein, danach soll das Fahrzeug lackiert werden, um das äußere Erscheinungsbild von 1938 wieder herzustellen.

Es ist beabsichtigt, den Obus auch betriebsfähig herzurichten und für den Fahrgastbetrieb zu nutzen. Sicher wird mangels Obus-Fahrleitung die Energiequelle dann ein Notstromaggregat sein. Die zur Zeit geführte Energieträgerdiskussion lässt aber auch ein wenig Hoffnung zu, irgend wann einmal mit diesem Oldtimer im neuen Leipziger Obusnetz fahren zu können.

Text: Dirk Budach / Jens Strobel, AG Historische Nahverkehrsmittel Leipzig e.V.
Fotos: AG Historische Nahverkehrsmittel Leipzig e.V.

Eine ausführliche Darstellung zum geretteten Obus und zu den akuellen Obusplänen in Leipzig findet sich in: Stadtverkehr Heft 3/09, www.stadtverkehr.de

Das Straßenbahnmuseum im Betriebshof Möckern, Georg-Schumann-Straße 244, ist in 2009 an folgenden Tagen geöffnet: 17.Mai, 21.Juni, 19.Juli, 16.August, 20.September.
Nähere Infos unter:

Juergen Lehmann