2 Juni 2014
Die Restaurierung hat begonnen!
Schon Ende der achtziger Jahre hatten Omnibusfreunde aus dem Raum München einen Obus der Münchner Verkehrsbetriebe vor der Verschrottung retten können, und ein paar Jahre später gesellte sich noch ein weiteres erhaltenes Exemplar dazu. Beide Wagen waren in sehr schlechtem Zustand, was den seinerzeit neu gegründeten „Omnibus-Club München“ (OCM) lange Zeit von einer Restaurierung abgehalten hat. Zu groß schien der nötige Aufwand dafür, und so stand über die Jahre immer mal wieder die Abgabe der Wagen zur Diskussion.
Schließlich gelang es im vergangenen Jahr, die MVG München als früheren Eigentümer für eine Restaurierung zu gewinnen. Ziel ist es, einen der Wagen wieder vollständig herstellen zu lassen, allerdings vorerst ohne Komplettierung der elektrischen Ausrüstung. Der Obus soll dann im MVG Museum in der Ständlerstraße ausgestellt werden. Dazu kommt ein ebenfalls aufzuarbeitender Kässbohrer-Personenanhänger vom Typ PA5, Baujahr 1952/53. Dieser ist zwar nicht im Regelverkehr hinter den Münchner Obussen gefahren, stammt aber aus der gleichen Epoche und stellt so eine sehr gute Ergänzung zum Obus dar. Im http://www.mvg-mobil.de/museum/ MVG Museum kann nach der Restaurierung damit ein vollständiger Obus-Zug vorgestellt werden. Ein originaler Münchner Obus-Anhänger vom Hersteller Rathgeber befindet sich im Lkw-Museum in Willich derzeit in Aufarbeitung.
Bei den beiden erhaltenen Obussen handelt es sich um Wagen 2“ und um Wagen 14, beide von den Herstellern Krauss-Maffei/Rathgeber Typ KME 160, Baujahr 1958. Beide Wagen waren bis zur Einstellung des Münchner Obusbetriebs im April 1966 im Einsatz. Aufgrund des besseren Erhaltungszustandes wird Wagen 2 restauriert, Wagen 14 dient als Ersatzteillieferant und steuert auch die weitgehend erhaltene Siemens-Elektro-Ausrüstung bei, auch wenn diese derzeit (noch) nicht wieder voll funktionsfähig gemacht wird. Die Aufarbeitung der beiden Fahrzeuge führt die Firma Lang in Schöffengrund-Schwalbach durch. Finanziert wird das Restaurierungsprojekt aus Erträgen des MVG-Museums, zum 10-jährigen Jubiläum des Museums sollen die Arbeiten spätestens abgeschlossen sein. Damit wird im MVG-Museum auch der Betriebszweig „Oberleitungsbus“ repräsentiert, der von 1948 bis 1966 bestand. Vor fast 50 Jahren am 28.4.1966 endete der elektrische Betrieb auf der einzigen Linie 58 (zuvor 42 und O32), die auf dem Streckenabschnitt Romanplatz – Ratzingerplatz der heutigen Buslinie 51 verkehrte. Ab April 1948 ging diese Linie in mehreren Abschnitten als Obuslinie in Betrieb, ihre größte Ausdehnung erhielt die damit 9,5 km lange Obuslinie mit Inbetriebnahme des nördlichen Abschnitts Laim – Romanplatz am 25.10.1953. Bis zu 20 Obusse standen für diese Linie zur Verfügung, der Fahrplan sah tagsüber einen 7½-Minuten-Verkehr vor. In den Hauptverkehrszeiten morgens und nachmittags verdichtete eine Linie O33 auf einen Teilabschnitt auf einen 3-4 Minuten-Verkehr.
Eine Rückkehr des elektrischen Busverkehrs wird geprüft, jedoch wird dabei der bewährte Trolleybus nicht in Betracht gezogen. Im Dezember 2013 und Februar 2014 wurden auf der Linie 153 unter wissenschaftlicher Begleitung der Hochschule Landshut je ein Elektrobus der Firma Solaris vom Typ Urbino 8.9 LE eletric und des chinesischen Herstellers „Build Your Dreams“ (BYD) vom Typ Ebus 12 getestet. Bei voller Ausnutzung der Akkus erreichten die beiden Fahrzeuge eine Reichweite von 180 km, der kürzere Solaris sogar nur 60 km. Somit will die MVG die Entwicklung der Batterietechnik weiter abwarten, bis eine Reichweite für eine Tagesleistung erreicht wird.
Fotos:
oben: Krauss-Maffei/Rathgeber-Obus 2 und der Kässbohrer Personenanhänger vor dem Abtransport zur Firma Lang. Aufnahme: Matthias Rauch (OCM)
unten: Obus 2 im Einsatz auf der Linie O32 im Jahr 1964. Aufnahme: D.A.Jones, Slg. J.Ward/D.Pearson