Erfolgsgeschichte

Linz

IMC als Ergänzung zur Regionalstadtbahn

29.06.2026

Wie entwickelt sich ein bestehendes Obussystem zu einem modernen IMC-System?

Linz zählt rund 214.000 Einwohnerinnen und Einwohner und ist Zentrum eines großen oberösterreichischen Ballungsraums. Der öffentliche Verkehr steht vor der Aufgabe, neue Stadtentwicklungsgebiete, Pendlerströme und zentrale Umsteigepunkte besser miteinander zu verbinden.

Das Linzer Obussystem besteht seit 1944 und ist damit ein historisch gewachsener Bestandteil des öffentlichen Verkehrs. Heute geht es jedoch nicht um die Bewahrung eines alten Systems, sondern um dessen Weiterentwicklung zu einem modernen IMC-System. Die geplante IMC-Linie 48 zeigt, wie elektrische Businfrastruktur, Stadtentwicklung, Regionalstadtbahn und Resilienz des Gesamtnetzes gemeinsam geplant werden können. 

Entscheidungsfaktoren

  • Ergänzung der Regionalstadtbahn statt Konkurrenz zur Schiene
  • Erschließung neuer Stadtentwicklungsgebiete im Linzer Osten
  • Direkte Verbindung wichtiger Ziele wie Krankenhausviertel, Grüne Mitte, Franckviertel und Bulgariplatz
  • Nutzung und Weiterentwicklung bestehender elektrischer Infrastruktur
  • Hohe Kapazität durch 24-Meter-IMC-Fahrzeuge
  • Elektrischer Betrieb auch auf Abschnitten ohne Fahrleitung
  • Resilienz durch zusätzliche Verbindungen und alternative Fahrwege
  • Finanzierung als Teil eines größeren Stadt-Land-Investitionspakets
  • Schrittweise Umsetzung vor bzw. parallel zur Regionalstadtbahn

 

Die Entscheidung

Die Entscheidung für die neue IMC-Linie 48 entstand nicht isoliert. Sie ist eng mit den Planungen für die Regionalstadtbahn Linz verbunden. Stadt Linz und Land Oberösterreich einigten sich 2024 auf die gemeinsame Finanzierung von Regionalstadtbahn und neuer elektrischer Busachse. Das Gesamtpaket wurde mit knapp 860 Millionen Euro angegeben. Für die Linie 48 wurden rund 72 Millionen Euro Investitionen und rund 121 Millionen Euro Betriebskosten genannt.

Damit wurde nicht zwischen „Schiene oder Bus“ entschieden, sondern eine Arbeitsteilung innerhalb des öffentlichen Verkehrs gewählt. Die Regionalstadtbahn übernimmt künftig die starke regionale Hauptachse. Die IMC-Linie 48 verbessert die innerstädtische Erschließung und schafft direkte Verbindungen zu wichtigen Zielen im Linzer Osten.

Die Entscheidung ist auch ein Ergebnis mehrjähriger politischer und planerischer Abwägungen. Ursprünglich wurden zwei neue elektrische Busachsen diskutiert. Nach der Überarbeitung der Gesamtplanung wurde die Linie 47 nicht weiterverfolgt, während die Linie 48 als strategische Ergänzung der Regionalstadtbahn erhalten blieb.

Zeitleiste

1944 Eröffnung des Obusbetriebs in Linz.

2017–2019 Erneuerung der bestehenden Flotte mit modernen 24-Meter-Doppelgelenk-Obussen.

2019 Erste Ausbauüberlegungen für neue elektrische Busachsen, darunter die Linien 47 und 48.

2023 Überarbeitung der Planungen mit Konzentration auf die Umsetzung der Linie 48.

2024 Finanzierungsvereinbarung zwischen der Stadt Linz und dem Land Oberösterreich für die Regionalstadtbahn sowie den Ausbau der Linie 48.

2025 Finanzierungsbeschluss, Abschluss der Einreichplanung und Ausschreibung der neuen Fahrzeuge.

2025–2029 Laufzeit des FFG-/EBIN-Förderprojekts zur Beschaffung von zwölf neuen 24-Meter-Doppelgelenk-Obussen für die Linie 48.

ab 2027 Geplante Inbetriebnahme der Linie 48 – abhängig vom Beschaffungs- und Baufortschritt.

 

Die Umsetzung

Die Linie 48 wird als leistungsfähige elektrische Busachse geplant. Nach Angaben der LINZ AG umfasst sie rund 6,25 Kilometer, davon rund 1,7 Kilometer auf eigener Trasse. Vorgesehen sind 15 Haltestellen und in der Hauptverkehrszeit ein 7,5-Minuten-Takt.

Technisch setzt Linz auf 24-Meter-IMC-Fahrzeuge. Diese bieten die Kapazität eines sehr leistungsfähigen Bussystems und können Abschnitte ohne Fahrleitung batterieelektrisch zurücklegen. In den Förderunterlagen werden 12 neue 24-Meter-Doppelgelenkfahrzeuge für die Linie 48 genannt; die Projektlaufzeit ist mit 2025 bis 2029 angegeben.

Die neue Linie erschließt wichtige Stadtbereiche und Entwicklungsräume. Sie verbindet unter anderem Karlhof/Urfahr, die Neue Eisenbahnbrücke, das Krankenhausviertel, die Grüne Mitte, das Franckviertel, den Bulgariplatz und den Bereich WIFI/LINZ AG. Damit entsteht keine isolierte Buslinie, sondern eine neue elektrische Achse innerhalb des städtischen Mobilitätssystems.

Technische und betriebliche Überlegungen

  • 24-Meter-Fahrzeuge erhöhen die Kapazität auf stark nachgefragten innerstädtischen Verbindungen.
  • Batteriebetrieb ermöglicht elektrische Abschnitte ohne durchgehende Fahrleitung.
  • Die vorhandene elektrische Infrastruktur bleibt Teil der Energieversorgung.
  • Eigene Trassenabschnitte erhöhen Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit.
  • Die Verbindung mit der Regionalstadtbahn stärkt Umsteigepunkte und Netzlogik.
  • Die Beschaffung wurde nach der Insolvenz von Van Hool neu betrachtet bzw. neu ausgeschrieben.

Die Ergebnisse und der Nutzen 

Die IMC-Linie 48 stärkt den öffentlichen Verkehr nicht nur durch eine zusätzliche Verbindung. Sie erhöht auch die Resilienz des Gesamtnetzes. Neue Querverbindungen und eigene Trassenabschnitte schaffen zusätzliche Fahrmöglichkeiten, entlasten bestehende Knoten und verbessern die Erreichbarkeit wichtiger Einrichtungen.

Für Linz ist die Linie 48 besonders interessant, weil sie Schiene und elektrisches Bussystem nicht gegeneinanderstellt. Die Regionalstadtbahn und die IMC-Linie übernehmen unterschiedliche Aufgaben: Die eine stärkt die regionale Hauptachse, die andere verbessert die innerstädtische Erschließung und schafft flexible elektrische Verbindungen.

Das Projekt zeigt auch, dass Infrastrukturentscheidungen von politischen, finanziellen und technischen Rahmenbedingungen geprägt sind. Kosten, Förderungen, Beschaffungssicherheit, Stadtentwicklung und Betrieb müssen zusammen betrachtet werden.

Erkenntnisse für andere Städte 

Linz zeigt, wie ein historisch gewachsenes Obussystem zu einem modernen IMC-System weiterentwickelt werden kann. Entscheidend ist dabei nicht die Wahl eines einzelnen Verkehrsmittels, sondern die Frage, welche Aufgabe jedes System im gesamten Mobilitätsnetz übernimmt.

  • IMC kann eine leistungsfähige Ergänzung zur Schiene sein.
  • Bestehende elektrische Infrastruktur kann in neue Stadtentwicklungsstrategien eingebunden werden.
  • Eigene Trassen und hohe Fahrzeugkapazität machen elektrische Busachsen zu einem ernstzunehmenden Bestandteil der Netzplanung.
  • Batteriebetrieb schafft Flexibilität, ohne auf kontinuierliche Energieversorgung zu verzichten.
  • Resilienz entsteht durch zusätzliche Achsen, alternative Fahrwege und bessere Verknüpfung der Verkehrsträger.
  • Politische Entscheidungen brauchen nachvollziehbare Kosten-, Finanzierungs- und Umsetzungspfade.