01.07.2026
Lyon
IMC für leistungsfähige Buskorridore.
Wie wird ein bestehendes Trolleybussystem Teil einer langfristigen Metropolstrategie?
Die Métropole de Lyon gehört zu den großen urbanen Räumen Frankreichs. Das öffentliche Verkehrsnetz TCL verbindet Metro, Tram, Bus und ein traditionsreiches Trolleybussystem. SYTRAL Mobilités steuert die langfristige Entwicklung des Netzes; betrieben wird es durch Keolis Lyon.
Mit dem Plan de Mobilité des territoires lyonnais 2040 verfolgt SYTRAL eine langfristige Strategie für den gesamten Mobilitätsraum. Ziel ist es, den Anteil des öffentlichen Verkehrs deutlich zu erhöhen, den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren und die Emissionen des Verkehrssektors zu senken. Vor diesem Hintergrund wird das bestehende Trolleybussystem nicht als Vergangenheit betrachtet, sondern zu einem modernen IMC-System weiterentwickelt
Entscheidungsfaktoren
- Plan de Mobilité 2040 als strategischer Rahmen
- stark belastete Buskorridore innerhalb der Metropole
- Reduktion von Emissionen und Verbesserung der Luftqualität
- Nutzung eines bestehenden elektrischen Netzes mit Oberleitungen und Unterwerken
- Kapazitätssteigerung durch moderne Gelenk-IMC-Fahrzeuge
- Batteriebetrieb auf Abschnitten ohne Fahrleitung
- schrittweise Modernisierung statt vollständigem Systemwechsel
- Integration von Mobilität, Energieversorgung und Netzstabilität
- langfristige Finanzierung eines großen Investitionsprogramms
Die Entscheidung
Die Entscheidung zur Modernisierung des Lyoner Trolleybussystems entstand im Zusammenhang mit einer umfassenden Mobilitätsstrategie. Der Plan de Mobilité 2040 legt fest, wie sich Mobilität in der Metropolregion bis 2040 entwickeln soll. Dazu gehört ein deutlich stärkerer öffentlicher Verkehr, weniger Abhängigkeit vom Auto und ein besseres Zusammenspiel von Stadtentwicklung, Umweltzielen und Verkehrsangebot.
Für Lyon bedeutete dies keine einfache Wahl zwischen Bus, Tram oder Metro. Vielmehr wurde festgelegt, welche Aufgabe jedes System im Gesamtnetz übernehmen soll. Metro und Tram bilden starke Schienenachsen; moderne IMC-Linien übernehmen auf wichtigen Buskorridoren eine leistungsfähige elektrische Funktion und können dort eingesetzt werden, wo Flexibilität, Kapazität und eine schnellere Umsetzung entscheidend sind.
Die Modernisierung der C-Linien zeigt diesen Ansatz deutlich. Auf der Linie C13 wurden neue Gelenk-IMC-Fahrzeuge eingeführt, die einen Teil der Strecke im Batteriebetrieb ohne Fahrleitung bedienen können. Dadurch verbindet Lyon die Vorteile einer kontinuierlichen Energieversorgung mit der Flexibilität batterieelektrischer Abschnitte.
Zeitleiste
1935 Eröffnung des Trolleybussystems in Lyon.
2021 Einführung neuer HESS-Gelenkfahrzeuge auf der Linie C13 mit Batteriebetrieb auf Teilen der Strecke.
2023 Großauftrag für neue batteriegestützte IMC-Gelenkfahrzeuge zur Modernisierung der Trolleybusflotte.
2025 Beschluss des Plan de Mobilité des territoires lyonnais 2040 nach Abschluss der öffentlichen Beteiligung.
2025–2026 Weitere Auslieferung und Inbetriebnahme neuer IMC-Fahrzeuge.
bis 2030 Weitere Modernisierungsschritte und Ausbauoptionen im Rahmen des Investitionsprogramms.
2040 Zielhorizont der Mobilitätsstrategie für die Metropolregion Lyon.

Die Umsetzung
Die Umsetzung erfolgt schrittweise. Bestehende IMC-Infrastruktur wird weiter genutzt und dort ergänzt, wo sie für leistungsfähige Buskorridore sinnvoll ist. Das bestehende Netz mit Oberleitungen und Unterwerken bildet dabei das Energie-Rückgrat des Systems.
Auf der Linie C13 wurde der Betrieb mit neuen Gelenk-IMC-Fahrzeugen modernisiert. Fachberichte nennen einen Batteriebetrieb auf bis zu 40 Prozent der Strecke ohne Fahrleitung. Damit kann die Linie flexibel betrieben werden, ohne die Vorteile der Energieversorgung während der Fahrt aufzugeben.
Die Modernisierung betrifft nicht nur Fahrzeuge. Auf einzelnen Linien wurden Fahrleitungen, Masten, Fassadenanker und Unterwerksausrüstung erneuert oder ergänzt. Dadurch wird die Ladeinfrastruktur in den laufenden Betrieb integriert und muss nicht ausschließlich an Endhaltestellen oder Depots konzentriert werden.
Energie, Smart Grid und Resilienz
Lyon zeigt, dass IMC auch eine energiepolitische Entscheidung ist. Das System verteilt den Energiebezug über den Betriebstag, statt hohe Ladeleistungen an wenigen Punkten zu konzentrieren. Die Fahrzeuge laden während der Fahrt und nutzen die gespeicherte Energie auf Abschnitten ohne Fahrleitung.
Damit kann die vorhandene Energieinfrastruktur besser genutzt werden. Unterwerke, Oberleitungen und Batterien wirken als gemeinsames System. Für zukünftige Smart-Grid-Anwendungen ist genau dieser Ansatz relevant: Ladeleistungen können besser verteilt, Netzspitzen reduziert und erneuerbare Energie perspektivisch gezielter eingebunden werden.
Auch für die betriebliche Resilienz ist der Systemansatz wichtig. Batteriegestützte IMC-Fahrzeuge können bei Baustellen, Störungen oder kurzen Umleitungen Abschnitte ohne Fahrleitung bedienen. Gleichzeitig bleibt die kontinuierliche Energieversorgung auf den Hauptachsen erhalten.
Ergebnisse und Nutzen
Lyon gehört heute zu den wichtigsten IMC-Standorten in Europa. Das System übernimmt auf mehreren Hauptachsen eine reguläre Rolle innerhalb des Gesamtnetzes und ergänzt Metro, Tram und Bus.
Die Einführung neuer Gelenk-IMC-Fahrzeuge erhöhte auf der Linie C13 die Kapazität gegenüber früheren 12-Meter-Fahrzeugen um rund 30 Prozent. Die Linie wird von mehr als 27.000 Fahrgästen pro Tag genutzt. Damit zeigt Lyon, dass IMC besonders dort geeignet ist, wo hohe Nachfrage, dichte Takte und flexible Linienführung zusammenkommen.
Gleichzeitig steht die Modernisierung unter finanziellen Rahmenbedingungen. Das Investitionsprogramm von SYTRAL Mobilités ist groß und langfristig angelegt. Medienberichte verweisen auf die Notwendigkeit stabiler Finanzierungsgrundlagen für das gesamte Programm. Für andere Städte ist das ein wichtiger Hinweis: Elektrifizierung braucht nicht nur Technologie, sondern auch tragfähige Governance und Finanzierungsmodelle.
Erkenntnisse für andere Städte
- IMC kann in einem großen Metropolnetz eine reguläre Rolle neben Metro und Tram übernehmen.
- Stark belastete Buskorridore profitieren von kontinuierlicher Energieversorgung und hoher Fahrzeugkapazität.
- Batteriebetrieb auf Teilstrecken erhöht die Flexibilität, ohne das elektrische Grundsystem aufzugeben.
- Bestehende Oberleitungen und Unterwerke können als Energie-Rückgrat weiter genutzt werden.
- Smart-Grid-Potenziale entstehen dort, wo Mobilität und Energieversorgung gemeinsam geplant werden.
- Große Elektrifizierungsprogramme benötigen langfristige Finanzierung und politische Stabilität

