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City News

Ausschreibung über 33 Trolleybusse nach Einsprüchen zurückgezogen

26 November 2021

Das tschechische Wettbewerbsamt (Úřad pro ochranu hospodářské soutěže – ÚOHS) wies am 13. August 2021 den Verkehrsbetrieb der Stadt Ústí nad Labem an, die Ausschreibung für die Beschaffung von Batterien-Gelenktrolleybussen abzusagen. Nachdem das Rechtsbehelfsverfahren ausgeschöpft wurde, veröffentlichte der Verkehrsbetrieb der Stadt Ústí nad Labem am 23. November die offizielle Ankündigung darüber.
Die im Februar 2021 veröffentlichte Ausschreibung für die Lieferung von bis zu 33 Trolleybussen, und zwar einen Wagen und 32 weitere in Option, war von den zwei unabhängig voneinander tätigen Herstellern Cegelec und SOR angefochten worden. Die beiden Hersteller beanstandeten die Ausschreibungsbedingungen, die die Vorlegung eines Musterfahrzeugs in der Stadt verlangte. Dieses zog nach sich, dass Trolleybusse in der gewünschten Bauweise nach der vorherigen Ausschreibung von Škoda Electric in die Stadt geliefert und keine andere Hersteller in der Lage gewesen wären, diese Anforderung zu erfüllen.
Die Verkehrsbetriebe blieben jedoch bei ihrer Stellung und führten an, dass es einen anderen Trolleybus in der Tschechischen Republik gibt, beispielweise der Trolleybus Ekova Electron 12T, der diese Bedingung erfüllt. In der Tat wurde Ekova in der Zwischenzeit von Škoda Transportation aufgekauft und gehört nun zur Škoda-Group.
Des Weiteren wurden die Kriterien für eine kurze Lieferzeit bei der Beurteilung der Angebote beanstandet, diese wären für andere Hersteller überproportional ungünstig. Unter Berücksichtigung einer langen Zulassungsphase für einen auf dem tschechischen Markt noch nicht zugelassenen Trolleybus hätte eine kurze Lieferzeit von keiner anderen Firma erfüllt werden können. Ein weiterer wesentlicher Einwand richtete sich gegen den geforderten Umsatz im Rahmen des Nachweises der wirtschaftlichen Qualifikation der Hersteller.
Da der Verkehrsbetrieb die Einwände nicht nachbessern wollte, gab es letztendlich eine Verhandlung bei der ÚOHS, die dann die Einstellung des Ausschreibungsverfahrens verfügte. Bei der Ausschreibung lag übrigens nur ein einziges Angebot für Trolleybusse vom Typ Solaris/Škoda 27 Tr vor. 

Am Freitag, 8. Oktober 2021 konnte der Trolleybus vom Typ Škoda 22TR mit der Betriebsnummer 601 fast elf Jahren nach seiner Außerbetriebnahme nach einer anspruchsvollen Überholung seine erste Testfahrt im Netz durchführen. Der Wagen ist der zweite von drei Prototypen des Typs 22Tr. Der im 1994 gebaute Trolleybus diente zunächst Präsentationszwecken und konnte zwischen 1995 und 1997 bei Verkehrsbetrieben von Pilsen, Ostrava und Brno Testfahrten mit Fahrgästen absolvieren. Dann folgten die erst im Jahr 2000 abgeschlossenen Typentests in Ústí nad Labem. Schließlich ging der Wagen in 2003 in den Besitz der Verkehrsbetriebe über. Das Schicksal der anderen Prototypen war nicht so erfolgreich. Der erste Wagen mit Ausrüstung von AEG und MEZ Vsetín-Motoren wurde im Jahr 1993 gebaut. Nach umfangreichen Testfahrten auf der Škoda-Teststrecke zwischen Ostrov und Jáchymov und in Ústí nad Labem wurde der Wagen nach einem Defekt in 1995 abgestellt. Nach den gescheiterten Versuchen, den Trolleybus als Museumwagen zu erhalten, wurde er schließlich ausgeschlachtet und verschrottet.

Der dritte Prototyp wurde ebenfalls in 1993 gebaut. Der einmotorige und mit der Wechselstrom-Anlage versehene Wagen konnte wegen Stilllegung der Produktion im Škoda-Werk Ostrov keine Testfahrten absolvieren und wurde in 2006 nach Szeged verkauft, wo er bis 2015 mit Wagennummer T-650 im Betrieb blieb. Nach einem Defekt der Elektrik, der in 2015 auftrat sowie aufgrund der aussichtslosen Ersatzteilbeschaffung für diesen untypischen Wagen wurde er schließlich im Jahr 2020 verschrottet. 

Der Škoda 22Tr ist sonst nicht weit verbreitet. Vom letzten Wagentyp der Firma Škoda mit einem eigenen, für Trolleybussen gebauten Aufbau, wurden nur zehn Fahrzeuge hergestellt, und zwar in 2002 zwei Einheiten für Usti (Nr.602-603) und in 2003 bis 2004 acht Einheiten für Brno (Nr.3601-3608). Weitere vier Wagen für Brno von den ursprünglich zwölf bestellten Einheiten wurden nicht mehr produziert. Die Firma Škoda verwendete ab 2005 nur noch Aufbauten der Autobushersteller zur Produktion von Trolleybussen, zuerst von Iveco (24Tr, 25Tr, 35Tr), später von Solaris (26Tr, 27Tr, 28Tr) und schließlich mit SOR (30Tr, 31Tr, 32Tr und 33Tr). Nach dem Erwerb von Anteilen des türkischen Omnibusherstellers Temsa wird nun wieder ein Trolleybus mit „eigenem“ Aufbau erwartet, und zwar – laut den letzten Angaben – der Škoda T`City. 

Information: Bohdan Turżański

Juergen Lehmann