8 März 2010
Seilbahn oder Hybrid-/Trolleybus?
Trier besaß bis 1970 einen Obusbetrieb, der ab 1940 die Straßenbahn ablöste. Nun steht die elektrische Traktion wieder in der Diskussion. Es soll eine Verbindung zwischen der Innenstadt und dem Bahnhof zur Universität auf dem Petrisberg verbessert werden. Derzeit verkehrt die Buslinie 3 vom Bahnhof über das Avelertal bis hierhin, der Bus braucht für die derzeit 4,0 km Fahrtweg 11 Minuten. Dabei wird ein Höhenunterschied von 110 m überwunden. Der Wissenschaftspark sowie die zahlreichen Wohnsiedlungen auf dem Petriberg werden jedoch nur mit Umsteigen erreicht. Rund 15.000 Menschen wohnen hier, weitere 15.000 besuchen die Universtät Trier.
Eine direkte Anbindung des Wissenschaftsparks und schnellere Anbindung der Universität kann durch eine direkte Auffahrt erreicht werden, die damit den Höhenunterschied in 1,6 km mit einer Steigung von bis zu 13 % bewältigt oder eine Seilbahnanlage.
Seit den 70er Jahren wird die optimale Lösung für die direkte Anbindung gesucht. Basierend auf eine Machbarkeitsstudie 1998 stellte ein Gutachten 2003 den Spurbus wie in Nancy als optimalste Lösung dar. Da dieses System nicht mehr angeboten wird, wurde ein weiteres Gutachten bei der DB International GmbH von der Stadtwerke Trier in Auftrag gegeben, welches im April 2009 veröffentlicht wurde (siehe Link „Mehr Information“). Schwerpunkt der Untersuchungen sind die Entwicklungen der verschiedenen Bussysteme und kam zur Empfehlung, dass ein bewährtes System wie das Hybrid-/ Trolleybussystem den höchsten volkswirtschaftlichen Nutzen hat. Die derzeitigen Speichersysteme sind für die Bewältigung der steigungsreichen Auffahrt noch nicht ausreichend, Supercaps können zu wenige Energie speichern, Batterien sind im Speichervorgang und bei der Abgabe der Energie zu schwerfällig. Die Erstellung einer Oberleitung zwischen Porta Nigra und Belvedere bzw. Tarforst, Karl-Carstens-Straße würde Zusatzkosten in Höhe von knapp 3 Mill. Euro ausmachen, aber den Vorteil eines erprobten und bewährten Systems darstellen. Vorteil des Systems wäre auch der mögliche Einsatz von 24 m langen Doppelgelenkwagen. Der höchste Aufwand der 70-80 Mill. Euro fällt für den Neubau der Trasse sowie für die Überführung des Gleisareals am Bahnhof an, die aber ohnehin für den Allgemeinverkehr in der Diskussion ist.
Die Ratsmitglieder liebäugeln daher mit der Variante „Seilbahn“, die auch im Gutachten der DB International GmbH auch untersucht wurde. Der Eingriff in die Natur ist geringer, aber diese Variante bringen Umsteigezwänge mit sich.
Da die Seilbahn nicht positiv genug im Gutachten betrachtet wurde, beschloss der Stadtrat in der Sitzung am 28.01.2010 die Seilbahnvariante vertiefend zu untersuchen und die Fördermöglichkeiten aller Systeme auszuloten. Es besteht der Grundsatzbeschluss des Stadtrats, bis Ende 2011 die Art des Verkehrsmittels festzulegen. Für das neue Gutachten stellte der Stadtrat 50.000 Euro bereit.
Aber gemäß den jüngsten Aussagen der Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani ist die Erstellung eines Gutachtens in diesem Kostenrahmen in Frage gestellt (siehe Artikel im Trierer Volksfreund vom 3.3.2010: http://www.volksfreund.de/2375153), somit sind erheut Verzögerungen bei der Suche nach einer Lösung zu erwarten.
Sicher schneller war der Entschluss und die Realisierung der Straßenbahn vor 125 Jahren, dieses Jubiläum wird am 29.05.2010 mit einem Tag der offenen Tür im Verkehrsbetrieb gefeiert.
Fotos:
Der Obusbetrieb in Trier bestand aus vier Linien, bereits frühzeitig lösten Gelenkwagen die Anhängerzüge ab, die zuletzt beschafften Henschel-Gelenkwagen erhielten einen Dieselmotor und dienten noch jahrelang als Einsatzwagen, so dass einer der Wagen heute noch als historischer Wagen verblieb (Foto oben), die damalige Obuslinie 1 (Foto unten) wird auch noch heute im dichten Takt bedient.
Aufnahmen: Gunter Mackinger (oben), Thomas Johansson (unten)
Juergen Lehmann